"Die Freiburger Schule von Walter Eucken und anderen 'ordoliberalen' Wirtschaftswissenschaftlern genießt weltweit hohes Ansehen."
(Badische Zeitung)

Historie der Freiburger Schule

Die Entstehung der Freiburger Schule ist wohl letztlich einem Zufall in den Jahren 1932/33 zuzuschreiben (vgl. Böhm 1957). Ohne sich näher zu kennen, beschäftigten sich Eucken und die Juristen Franz Böhm (1895 - 1977) und Hans Großmann-Doerth (1894 - 1944) gleichzeitig
mit dem selben Problem — der Frage der privaten Macht in einer freien Gesellschaft. Großmann-Doerth hatte einen Ruf erhalten und Böhm kam nach Freiburg, um sich dort zu habilitieren. Zwischen den drei Wissenschaftlern entstand bald eine intensive Zusammenarbeit.

Bereits in seiner Habilitationsschrift „Wettbewerb und Monopolkampf“ von 1933 bringt Böhm zum Ausdruck, was später ein Grundzug der Freiburger Schule werden sollte: „Es handelt sich sozusagen um den Versuch, das Lehrgebäude der klassischen Wirtschaftsphilosophie aus der Sprache der Nationalökonomie in die Sprache der Rechtswissenschaft zu übersetzen“ (Böhm 1933, S.IX). Damit leitete er die Diskussion um die Verknüpfung von Wettbewerbs- und Ordnungsfragen ein, die später als Interdependenz der Ordnungen bezeichnet wurde (vgl. Eucken 1952/1990, S. 180 - 184). Böhm betätigte sich nicht nur wissenschaftlich, sondern war nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem auch hessischer Kultusminister, Mitglied des Deutschen Bundestages und Delegationsführer bei den Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel.

Großmann-Doerth setzte sich — beispielhaft für seine Grundhaltung — bei seiner Antrittsvorlesung mit dem Thema „Selbstgeschaffenes Recht der Wirtschaft und staatliches Recht“ auseinander. Er forderte eine staatliche Kontrolle der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, um so das problematische Nebeneinander staatlicher und wirtschaftlicher Rechtsordnungen zu beenden. Großmann-Doerth starb 1944 im Russland-Feldzug.

Das Erscheinen des ersten Hefts der von Eucken, Böhm und Großmann-Doerth herausgegeben Schriftenreihe „Ordnung der Wirtschaft“ im Jahr 1937 ist die eigentliche Geburtsstunde der Freiburger Schule. Im Vorwort („Unsere Aufgabe“) betonen die Herausgeber, dass die „Wirtschaftsverfassung als eine Gesamtentscheidung über die Ordnung des nationalen Wirtschaftslebens zu verstehen“ und somit „die Rechtsordnung als Wirtschaftsverfassung zu begreifen und zu formen“ (Böhm/Eucken/Großmann-Doerth 1937, S. XIX) sei. Böhms Abhandlung „Die Ordnung der Wirtschaft als geschichtliche und rechtschöpferische Leistung“, der erste Aufsatz der Schriftenreihe, war von fundamentaler Bedeutung für die Entwicklung des Ordoliberalismus: „Denn auch das Recht der freien Marktwirtschaft anerkennt die Freiheit nur im Rahmen der Ordnung. Bei einem Konflikt zwischen Freiheit und Ordnung kommt dem Gesichtspunkt der Ordnung unbedingter Vorrang zu“ (Böhm 1937, S.101 f.). Die Schriftenreihe „Ordnung der Wirtschaft“ fand nach dem Krieg ihre Fortsetzung in dem 1948 erstmals erschienenen Jahrbuch ORDO, das von Böhm und Eucken begründet wurde. Die Kerngruppe Böhm/Eucken/Großmann-Doerth umfasste bald einen weiten Kreis von Schülern und Kollegen, der durchaus die Bezeichnung „Schule“ erlaubt. Dazu zählten insbesondere Constantin v. Dietze (1891 - 1973), K. Paul Hensel (1907 - 1975), Adolf Lampe (1897 - 1948), Friedrich A. Lutz (1901 -1975), Karl Friedrich Maier (1905 - 1993), Fritz W. Meyer (1907 - 1980) und Leonhard Miksch (1901 - 1950).


Quelle: Walter Eucken Institut